Kaufhaus Kaufhof,
Halle

Anstelle des im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigten und Jahre später abgerissenen historischen „Waage-Gebäudes“ am Marktplatz in Halle entstand im Frühjahr 2004 ein Kaufhaus-Neubau, der die Lücke am Marktplatz wieder schließen sollte.

Projektdaten:

Bauherr: Frankonia Eurobau AG & Co. KG
1. Preis Realisierungswettbewerb

Der Marktplatz von Halle ist keine geschlossene Platzanlage. Er ist historisch geprägt sowohl von mittelalterlichen als auch von Bauten des 20. Jahrhunderts. In dieses Gefüge passt sich der Neubau des Kaufhof durch eine zeitgenössische Sprache ein. In Anbetracht der Architekturdiskussion um den „richtigen“ – nämlich historischen – Baustil im Zentrum vergleichbarer Städte eine bemerkenswerte und mutige politische Entscheidung der Stadt Halle. Zur Marktseite hin öffnet sich das Gebäude durch eine Terrasse im oberen Stockwerk. Die Fassade greift den Muschelkalk des angrenzenden Kaufhaufs Wöhrl und des Rathauses auf und stellt über das Material eine erste architektonische Verbindung zu den Nachbarbauten her.

Der Kaufhof-Neubau mit seinen 10.000 m2 Verkaufsfläche an der Nord-Ost-Ecke des Martkplatzes integriert auch zwei Altbauten: Das ehemalige Katasteramt – ein Gebäude aus dem letzten Jahrhundert – und ein kleines Stadthaus, in dem während der Bauzeit mittelalterliche Rundbögen in der Brandschutzwand gefunden wurden. Der Neubau nimmt in seiner städtebaulichen Struktur Bezug zu dem Vorgängerbau der „Alten Waage“. Die Ausrichtung der Hauptfassade erfolgte in Richtung des Roten Turms und verzichtet auf eine „Ecke“. Geschichtlich schloss sich in der Verlängerung eben dieser Fassade das historische Rathaus an; die Rathausstraße mündete in einem schmalen Durchgang auf den Platz. Die gestaffelten Giebel der Südfassade folgen der Kontur der Rathausstraße und führen die Architektur der Haussilhouette in den Platzraum hinein.