In der Innenstadt von Magdeburg wird eine Brachfläche direkt am Übergang von Universität zu Breitem Weg wieder Ort für städtisches Leben: Hier wird mit den UniArkaden ein Gebäudekomplex für Einzelhandel, Hotel und Boardinghouse, Wohnen und Arbeiten entstehen. Aus acht Wettbewerbsbeiträgen wurde nun der Entwurf von kister scheithauer gross architekten und stadtplaner (ksg) aus Köln/Leipzig mit dem ersten Preis ausgezeichnet.

Das „städtebauliche Argument“ des prämierten Entwurfs entwickelt sich aus der gemeinsamen Betrachtung des Wettbewerbsgebietes und des Ideenteils im Osten. Aus dieser ergibt sich die funktionale Zuordnung, aber vor allem die typologische Struktur und die sinnvolle stadträumliche Platzierung zweier Hochpunkte als Auftakte für die Walther-Rathenau-Straße.

Mäander für die Europäische Stadt

Im Wettbewerbsgebiet entlang der Walther-Rathenau-Straße entsteht eine rund 26 Meter tiefe Gebäudestruktur – allerdings nicht mit gerade Blockkanten, sondern in einer mäandrierenden Form mit Vor- und Rücksprüngen. „Die Rhythmisierung und optische Kleinteiligkeit atmet den Geist der Europäischen Stadt,“ erläutert Prof. Johannes Kister, Gesellschafter von ksg und Entwurfsverfasser, den Entwurfsgedanken. Neben den ablesbaren Volumen werden hier aber auch „tiefe“ Nutzungen, etwa für Labore oder Institutsgebäude der gegenüberliegenden Universität, möglich.

Die Form der Rhythmisierung entsteht durch die genaue Analyse des stadträumlichen Kontexts: Der Bau stellt sich nicht zwischen Universität und Breiten Weg, sondern lädt explizit zur schnellsten Verbindung ein – sie schneidet sogar ganz deutlich in den Baukörper ein. Dieselbe Geste schafft es außerdem, die „eigenwillige“ Ausrichtung des Theaters aufzunehmen und zu reflektieren.

Belebende Wege

Die Durchwegung ist es auch, die den Projektnamen „UniArkaden“ räumlich mit Leben füllen: Die Verbindungsfunktion und ein Magnet in Form eines Vollsortimenters bringt Laufkundschaft in das Innere des Komplexes und macht die Lage für unterschiedlichste Geschäfte attraktiv. Zum Universitätsplatz öffnet sich die Durchwegung zu einer Plaza, die das „interne“ Leben nach außen sichtbar macht. Es entsteht keine äußerlich abgeschottete Mall, sondern ein sichtbar belebter, einladender Straßenraum.

Unterstrichen wird dieser Effekt durch die Komposition um die Plaza mit unterschiedlichen Gebäudebausteinen. Das Hotel wird nicht allein als solches, sondern in erster Linie als volumetrischer Eckbaustein des Quartiers wahrgenommen. Der Büroturm erhält in den obersten drei Geschossen eine Auskragung in Richtung Stadtzentrum, das „Stadtfenster“, das sowohl besondere Räume für die Nutzer generiert als auch den einen besonderen Blickpunkt für die Ansicht vom Universitätsplatz bietet.

Prof. Johannes Kister bringt die vielen Details und Leitgedanken des Baus folgendermaßen auf den Punkt: „In dem Entwurf bildet sich eine Haltung ab, die eine charakteristische und prägnante Architektur aus dem städtebaulichen Kontext generiert und diese als wichtiges Instrument der gemeinsamen Identität der Stadt versteht.“

Farbe und Identität

Im Hinblick auf die Fassade, die entlang des Baukörpers mit seladongrüner Keramik verkleidet wird, während die Innenseiten des Stadtfenster sich in einem blassen Rot absetzen, fügt er hinzu: „Magdeburg ist die bunte Stadt von Bruno Taut, Farbe ist eine Identität von Magdeburg. Wir zielen mit unserer farbigen Keramikfassade auf die städtebauliche Wirkung ab, aber in einem weiteren Rahmen natürlich auch auf diesen historischen Kontext.“